Schuldgefühle: Nie genug Mama für alle

Ich glaube ich bin gerade an einem Punkt an den jede Mehrfachmama irgendwann kommt: Schuldgefühle plagen mich. Ich habe das Gefühl beiden nicht gerecht zu werden. Einer weint immer bzw. einer wartet immer. Und zwar auf meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Und gerade die Große scheint momentan sehr darunter zu leiden und deswegen tue ich es auch. Seit der Männertagswoche ist hier viel Bewegung drin und das scheint zusammen mit einer Menge geistiger Entwicklung dem Kind viel (vielleicht zu viel) abzufordern. Jetzt muss ich „leider“ ausholen und am Anfang anfangen.

Schlaf endlich!

Im Gegensatz zu ihrem Bruder, der zwar lautstark gegen den Schlaf ankämpft, aber sonst ein guter Schläfer ist, war die Große schon immer ein Schlafverweigerer. Das sorgte immer wieder für allabendliche Kämpfe. Das Kind wollte nicht schlafen und wir wollten, dass sie schläft. Beide Parteien waren ge- und entnervt, muffelig bis wütend. Stopp! So geht das nicht. Es stresst uns, was soll das!!! Eine praktikable Lösung musste her! Also habe ich Dr. Google nach Tipps befragt und bin wie häufig in einem meiner Lieblingsblogs fündig geworden: Warum Kinder nicht alleine einschlafen wollen. Und versteht mich nicht falsch, ich habe gar kein Problem damit mein Kind auch mit 3 Jahren noch in den Schlaf zu begleiten, nur nicht 1 1/2 h. Und der Artikel öffnete uns in zweierlei Hinsicht die Augen.

  1. Sie hat ein niedriges Schlafbedürfnis. In der Woche macht sie in der Kita zwei Stunden Mittagsschlaf, daher ist natürlich das nächtliche Schlafbedürfnis niedriger. Am Wochenende macht sie keinen Mittagsschlaf, so dass es abends auch immer ein bisschen schneller ging. „Dummerweise“ scheint ist Schlafbedarf nur bei ca. 11 Stunden zu liegen. Zwei Stunden Mittagsschlaf = bleiben 8-9 Stunden für die Nacht. Wir stehen in der Woche ca. 6:30 Uhr auf, also ist ihre „biologische“ Bettgehzeit so circa halb bis um zehn. Was sich so fast mit unserer Bettgehzeit deckt. Blöd, wa?!
  2. Das führte uns zu des Pudels Kern: Uns ging es gar nicht so sehr darum, dass sie beizeiten schläft, sondern, dass wir abends mal für zwei Stunden unsere Ruhe haben (soweit wie das mit 4 Monate altem Baby möglich ist).

Das führt zu einem neuen Abendritual: Spätestens gegen 8 Uhr ist sie bettfertig, danach darf sie, wie im oben verlinkten Artikel beschrieben, spielen, aber ohne uns. Alternativ kann sie auch ins Bett gehen und Conni-Hörspiele hören. Was meist nach spätestens 20 Minuten der Fall ist. Dann decken wir sie noch zu und schließen auf ihren Wunsch die Tür (damit der Kater nicht auf ihr rumtrampelt). Eigentlich ist der Deal, dass sie uns ruft, wenn sie dann schlafen will, dann machen wir Conni aus, kuscheln noch ein bisschen und sie schläft ein. Dumm nur, dass sie bei Conni irgendwann zwischen 21:00 Uhr und 22:00 Uhr einschläft.

schuldgefühle

Mama oder Papa, Krümel oder Krümelchen

Dadurch fällt das abendliche Kuscheln und die abendlichen Gespräche weg. Tagsüber kuscheln will sie nicht. Wie viel Zeit bleibt damit zum Mama tanken?

Morgens: Ich stehe auf, gehe ins Bad und erledige innerhalb von 10 Minuten meine gesamte Morgentoilette. In der Zwischenzeit wickelt der Papa (der schon etwas länger wach ist) den Kleinen und zieht ihn um. Dann habe ich meist noch 5 Minuten, um die Große anzuziehen, weil dann der Papa los muss und der Kleine nicht lange alleine rumliegen will bzw. Hunger hat. In den 5 Minuten ziehe ich die Große an (ja sie kann das auch alleine, muss sie aber nicht, wenn sie nicht will), kämme ihr die Haare und putze ihr die Zähne (nach). Dann verabschieden wir uns vom Papa. Sie darf anschließend Fernsehen, während ich den Kleinen stille bzw. ihm die Flasche gebe. Meist hat die Große auch Hunger und bekommt auch eine Kleinigkeit. Ich ziehe ihr während des Fernsehens die Schuhe, Jacke, Mütze etc. an. Ziehe mir selber die Schuhe an und binde mir anschließend den Kleinen um. Gegen 7:30 Uhr geht es meist unter Protest und Tränen los (sie will weiter Fernsehen schauen). Wir haben es ja glücklicherweise nicht weit bis in die Kita. Dort ist Mamafrei Zeit bis 15:30 Uhr.

15:30 Uhr steht das Nachmittagsprogramm an. Meist spielen wir noch draußen mit einem Kitafreund vom Krümel oder wir treffen uns mit Krümels Busenfreundin im Zoo oder oder oder. Also seit das Krümelchen da ist, sind wir auch da eher auf andere gerichtet. Verbringen also Zeit zusammen, aber nicht wirklich miteinander. Selbst zu Hause kann ich nur ein bisschen mit ihr spielen – Physiologisch eingeschränkt, wenn der Zwerg in der Trage schläft oder zeitlich beschränkt bis der Zwerg wieder Hunger hat oder schlafen will.

Hinzukommt, dass ich angespannt bin. Auch wenn der Zwerg echt pflegeleicht ist, fühle ich mich eingeschränkt. Der Kleine schläft nämlich nur in der Trage, in dieser Zeit kann ich ein bisschen was im Haushalt machen, aber eben nur unter Anstrengung und nur eingeschränkt. Also habe ich das Gefühl, das Chaos wächst uns über den Kopf und dann räume ich lieber ein bisschen rum, als mit der Großen zu spielen…doof ich weiß, aber sonst bin ich noch gestresster. Schuldgefühle also auch dem Haushalt gegenüber.

schuldgefühle-2

Schuldgefühle

Es ist nicht nur so, dass die Große mich vermisst. Ich vermisse sie auch sehr. Seit dem 14. Januar vermisse ich sie. Ich habe das Gefühl wir werden uns nie wieder so nah sein, wie vor Zwergis Geburt. Das macht mich sehr traurig. Ich habe das Gefühl ich entferne mich von ihr, obwohl sie mich so sehr braucht und ich sie auch. Diese intensive Zeit wird nie wieder zurück kommen. Im Gegenteil, umso größer und selbstständiger sie wird, um so weniger braucht sie mich. Aber jetzt braucht sie mich und ich kann nicht so, wie sie es braucht. Zumindest nicht ohne den Zwerg zu „vernachlässigen“. Aber er ist ja auch noch so klein und kann nicht im Ansatz verstehen, dass seine Schwester mich auch mal braucht. Ich bin bei der Großen immer sofort gesprungen, wenn ich es verhindern konnte, musste sie nicht schreien. Der Kleine muss schon mal meckern oder er bekommt 5x den Schnuller in den Mund gesteckt, weil ich die Große noch anziehe, bevor ich mich ihm widme. Oft muss er warten. Schon habe ich ihm gegenüber ein schlechtes Gewissen und werde sauer auf die Große, weil sie sich nicht alleine anzieht, schon bin ich genervt, schon meckere ich. Glücklicherweise ist der Kleine eine wahre Frohnatur und er scheint einem nichts übel zu nehmen. Aber er soll ebenso eine sichere Bindung haben wie seine Schwester, als muss ich auch seine Bedürfnisse erfüllen. Ihn gebe ich schon viel eher mal an den Papa weiter, das konnte ich bei der Großen gar nicht. Anderen gebe ich ihn aber immer noch nicht gern, das mochte ich schon bei der Großen nicht, obwohl er auch da im Gegensatz zu mir recht entspannt ist.

Gestern wollte sie nicht in die Kita. Das kam schon öfter vor, war aber meist vergessen, sobald sie dann da war. Nicht so heute. Sie hat geweint und mich angefleht, sie wieder mit zu nehmen. Das hat sie noch nie, in den 2 Jahren, die sie nun in die Kita geht, hat sie erst einmal geweint. Ich habe sie da gelassen. Dabei hätte ich sie doch wieder mit nehmen können. Ich bin doch zu Hause?! Noch mehr Schuldgefühle. Aber ich habe mir gedacht, dass es bestimmt bald vergessen ist, sie liebt ihre Kinder und zu Hause langweilt sie sich. Aber war am Ende meine Entscheidung nicht eigennützig, weil ich nicht beide Kinder zu Hause haben wollte?

Am Nachmittag war alles okay. Sie rannte Freudestrahlend auf mich zu und war auch sonst super drauf. Was war das nur am Morgen. Zum Ausgleich gab es einen Wohlfühlnachmittag – unpädagogisch mit Eis und TV und etwas pädagogischer mit ganz vielen Büchern und wir haben Geburtstag gespielt und Arzt. Heute ging es schon besser mit der Kita, aber sie wollte wieder nicht runter in den Frühstücksraum und hat wieder geweint und nach Mama geschrien. *mirzerbrichtesdasHerz*

Und in Zukunft?

Also im großen und ganzen ist an ihrem Verhalten nur eins auffällig: Wut. Sie wird in letzter Zeit sehr schnell wütend und dann richtig, mit schreien, weinen, werfen und hauen. Man darf sie nicht anfassen oder mit ihr reden. Bei ihr bleibe ich trotzdem, um den Moment zu erspüren ihr mein Verständnis zu bekunden, sie abzulenken und sie dann doch zu drücken und die Tränchen weg zu wischen. Doch ist das das Ergebnis der fehlenden Exclusivzeit oder ganz normal oder steht schon wieder ein Schub an? Aber sie ist so ein tolles, kluges und bezauberndes Mädchen. Ich liebe sie wirklich sehr.

Vielleicht muss ich doch den Kleinen „loslassen“ – einfach mal beim Papa lassen und allein mit der Großen losziehen. Da wir ja zufüttern müssen, gibt es im Notfall eine Flasche für den Kleinen. Schlafen tut er notfalls auch beim Papa. Vielleicht hat dann auch die Große wieder mehr Verständnis….oder die Schuldgefühle gegenüber dem Kleinen wachsen – wir haben zwar 8 Stunden ganz für uns, aber den Rest des Tages läuft er nur mit. Und bei alledem ist er meist so entspannt, lacht viel und kann auch mal allein sein.

An euch Mehrfachmamas, wie löst ihr das Problem beiden gerecht zu werden? Und was könnte ich in Bezug auf den Kitastreik tun? Ich freue mich sehr über Tipps oder neue Sichtweisen.

Bis bald.

Julia

Comments

comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.